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100 Jahre Fußball Stadtlengsfeld
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1940er Der Krieg in Deutschland war zu Ende und verloren. Den meisten Menschen von Stadtlengsfeld stand der Sinn nicht nach Sport, sondern nach einem Überleben. Auch die früheren Sportfreunde waren nicht die Gleichen geblieben. Es gab Zwietracht. Dennoch rafften sich einige Stadtlengsfelder auf, um im Jahr 1946 die “Eintracht” Stadtlengsfeld als Sportgemeinschaft wieder zum Leben zu erwecken. Im Jahr 1950 entsteht daraus die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Chemie“. Die „Eintracht“ besteht innerhalb dieser Gemeinschaft als Sektion Fußball (neben anderen Sektionen wie z. B. Tischtennis. Der Trägerbetrieb ist das Porzellanwerk Stadtlengsfeld.
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Am 26. April 1946 erschienen in Thüringen die “Neuen Richtlinien im Sportbetrieb”. Die Region war in zwei Fußballkreise geteilt. Das Gebiet Werra/Rhön gehörte zu Eisenach, während Bad Salzungen und Umgebung Meiningen zugeordnet wurde.
Thüringer Volkszeitung 22. Mai 1946:
Am Sonnabend, dem 25. Mai um 19.00 Uhr, findet in Tiefenort ”Gasthaus Stern” eine Spartensitzung sämtlicher Spartenleiter der Fußballsparte im Kreis Eisenach statt. Zu erscheinen haben alle Orte von Gerstungen bis Kaltennordheim. Jede Sparte muss ihre Mannschaften dort melden, ebenso die Schiedsrichter. Es handelt sich um die Serienspiele. Wer nicht erscheint, kann nicht mehr berücksichtigt werden. Am Sonntag, dem 26. Mai um 10.00 Uhr, findet in Eisenach “€žGasthaus Karlswald” eine Spartensitzung sämtlicher Spartenleiter der Fußballsparte im Kreis Eisenach statt. Zu erscheinen haben alle Orte von Eisenach bis Ruhla. Jede Sparte muss ihre Mannschaften dort melden, ebenso die Schiedsrichter. Es handelt sich um die Serienspiele. Wer nicht erscheint, kann nicht mehr berücksichtigt werden. gez.: Bezirksspartenleiter Wilhelm Schön. [Quelle: Manfred Arnold, Dermbach, 2024]
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Der einstiger Verteidiger und kriegsversehrte Willy Riese war der erste Leiter der SG “Eintracht” Stadtlengsfeld. Zwei weitere Initiatoren waren die sportbegeisterten Karl Freund und Herbert Heiderich, von denen Karl Freund auch während des Armee-Dienstes bis 1945 noch ausgiebig Sport trieb und es zu lokalem Ruhm brachte (vgl. Memoiren K. Freund). Karl Freund war es auch, der mit einem Schreiben an die englischen Alliierten die vorfristige Entlassung von Herbert Heiderich aus englischer Kriegsgefangenschaft erwirkte. Er wurde noch als Mittelläufer und Torwart gebraucht. Sein Einsatz kam 1948.
Zunächst versuchte man, eine neue Turnerriege aufzubauen. Das gelang nicht. Mit einer neuen Fußball-Mannschaft ging es schneller voran. Die Schwierigkeiten für die ersten Organisatoren waren allgegenwärtig. Es fehlten sowohl finanzielle Mittel als auch Transportmittel, um die Spieler zu ersten Turnieren zu bringen. Wenn es nicht den kooperativen Paul Geldsetzer sen. gegeben hätte, hätten eine Reihe von Spielen nicht realisiert werden können. Paul Geldsetzer sen. hatte ein Fuhrunternehmen in Stadtlengsfeld, das er zur Verfügung stellte. Nicht ganz uneigennützig, denn die Fahrten brachten auch ihm Geld in die Kasse. Seine LKW waren veraltete Holzvergaser. Nicht selten mussten die Spieler sowie Zuschauer Schieben helfen, zum Beispiel am Berg nach Ruhla.
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1946 wurde in einer Serie mit Frühjahrs- und Herbstsaison gespielt sowie in zwei Staffeln.
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Oberkreisstaffel A
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Unterkreisstaffel B
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Walldorf
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Salzungen
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Schwallungen
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Utendorf
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Meiningen
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Kloster
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Zillbach
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Schwickershausen
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Einhausen
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Langenfeld
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Meiningen
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Langenfeld
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Wasungen
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Breitungen
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Dreißigacker
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Breitungen
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Schwallungen
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Steinbach
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Eckardts
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Steinbach
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Vachdorf
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Barchfeld
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Herpf
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Barchfeld
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Wernshausen
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Stadtlengsfeld
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Untermaßfeld
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Witzelroda
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Schweina
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Tiefenort
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Neubrunn
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Kloster II
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Abbildung 12: Erste Stadtlengsfelder Fußballmannschaft nach dem Krieg, 1946: Otto Hußmann, Willi Schmidt, Hermann Görlitzer, Herbert Heiderich, Paul Berndt, Walter Berndt, Anton Schramm, Adam Pedrazzi, Karl Freund (hinten, v.l.n.r.), Egon Meister, Hans Schmidt (Torwart), Ernst Milanowski (vorn, v.l.n.r.)
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In der Saison 1947-1948 wurde in Thüringen in Landkreisen Fußball gespielt. In der höchsten Spielklasse im Landkreis Eisenach spielten Dippach, Dorndorf, Eisenach, Farnroda, Kieselbach, Ruhla, Stadtlengsfeld, Tiefenort und Vacha. Der erstmalige Aufstieg in die Bezirksklasse gelang erst 1932. Die erste Mannschaftsaufstellung von 1947 lautete: Hermann Perniß (Tor), Walter Berndt, Horst Kürschner, Ernst Milanowski, Fritz Wiegand, Anton Schramm, Paul Berndt, Willi Schmidt, Hermann Görlitzer, Fritz Abe, Fritz Barthelmäß. Neuzugänge waren: A. Mutallo, Herbert Heiderich, Hans Müller, Otto Hußmann.
Am Sonntag, den 20. April 1947, begannen im Sportkreis Eisenach die ersten Pflichtspiele zur Ermittlung des Fußballkreismeisters für das Jahr 1947. Nach Reorganisation und Festigung in den Satzungen hatte der Sportkreis erheblich an Stärke gewonnen und gehörte zu einem der größten und am besten organisierten Kreise Thüringens. Nicht weniger als 49 Sportgemeinschaften mit 120 Mannschaften hatten sich zur Teilnahme an diesem Wettbewerb gemeldet. Die erste Kreisklasse wurde in diesem Jahr auf ein Zehnerfeld - durch den Aufstieg der Sportgemeinschaften Farnroda und Dippach - erhöht, so dass der Reiz einer Abstiegsgefahr hinzukam, da zwei Mannschaften den Vorwärtsstrebenden der zweiten Klasse Platz machen mussten. Die Begegnung des Kreismeisters Kieselbach mit dem vorjährigen Tabellenzweiten Ruhla war die Spitzenbegegnung des ersten Spieltages. Ein Spiel mit besonderem Reiz erwartete das Publikum im Punktekampf Tiefenort gegen Stadtlengsfeld. Stadtlengsfeld ging mit großen Hoffnungen in die neue Saison. Im Kaffeetälchen von Tiefenort verlor man bereits zum Auftakt zwei wichtige Punkte.
Ergebnisse:
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Ruhla - Kieselbach 3:2
Ballspiel Eisenach - Vacha 2:2
Eisenach West - Dippach 2:1
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Tiefenort - Stadtlengsfeld 3:1
Dorndorf - Farnroda 3:7
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Am 3. Spielsonntag verlor Ruhla sein Heimspiel gegen Ballspiel Eisenach. Neuling Farnroda fertigte Vacha zu Hause ab. Mittelstürmer Salzmann von Eisenach West war mit 3 Treffern maßgeblich am 4:1 Sieg über Stadtlengsfeld beteiligt, während Tiefenort gegen den alten Rivalen Kieselbach im Kaffeetälchen mit 2:3 das Nachsehen hatte. Dorndorf spielte zu Hause eine gute Partie und holte sich gegen den Aufsteiger Dippach die ersten Punkte.
Eine Niederlage des Kreismeisters Kieselbach war allerdings am vierten Spieltag zu verzeichnen. Vor einer stattlichen Zuschauerzahl ließ sich der vorjährige Meister daheim von Stadtlengsfeld mit 4:2 schlagen, die damit zwei wichtige Punkte mit nach Hause nehmen konnten.
Am 5. Spielsonntag verlor Stadtlengsfeld gegen Vacha wieder mit 3:1. Nach dem 9. Spieltag rückte Stadtlengsfeld auf den vierten Tabellenplatz auf. Zum Abschluß der Saison landete die Mannschaft auf Platz 6. (Quelle: M. Arnold, Dermbach, 2025)
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Erst am 7. Januar 1949 konstituierte sich erneut ein Vorstand der SG “Eintracht” Stadtlengsfeld. Erster Vorsitzender wurde Heinrich Asmus, 2. Vorsitzender Ernst Vogel, Kassierer Karl Jökel, Spartenleiter Kurt Lange, Technischer Leiter Karl Freund. Die vornehmliche Aufgabe der ersten Leitung war die Sammlung von Gleichgesinnten und potenziellen Spielern im Rahmen der Sportgemeinschaft. Das gegenseitige Kennenlernen war besonders wichtig, weil das Misstrauen noch sehr verbreitet war. Es obsiegte der Optimismus. In jenen Jahren war alles möglich. Mit Energie und Zuversicht konnten noch Spiele gewonnen werden. So präsentierte sich die erste Nachkriegsmannschaft im Jahr 1946 (vgl. Abb.12).
Zu den Übriggebliebenen nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten zunächst: Herman Perniß, Just Schmidt, Walter und Paul Berndt, Horst Kürschner, Ernst Milanowski, Fritz Wiegand, Anton Schramm, Willi Schmidt. 1947 kamen hinzu: Herbert Heiderich, Hans Müller, Otto Hußmann, Karl Mutallo.
In den Anfangstagen nach dem Krieg gab es nur Punktspiele im Kreis Eisenach. Die ersten Gegner waren Eisenach Ost, Eisenach West, Ruhla, Farnroda, Kieselbach, Tiefenort, Unterbreizbach, Dorndorf und Vacha.
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